Reihe Filmklassiker  -  Die Reifeprüfung

Sa., 25.04.2020, 19.30 Uhr

Tragikomödie
USA 1967, 106 Min., FSK ab 16
 
Regie:  Mike Nichols
Mit: Anne Bancroft, Dustin Hoffman, Katharine Ross

 

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©Studiocanal

 

Mike Nichols berühmte Gesellschaftssatire mit Dustin Hoffman als unerfahrenem Benjamin, der von der reifen Mrs. Robinson verführt wird.

„Die Reifeprüfung“ von Mike Nichols ist eine Tragikomödie aus dem Jahr 1967 und gilt heute als Klassiker. Außerdem bedeutete sie seinerzeit den Durchbruch für Oscar-Preisträger Dustin Hoffman. Dieser spielt den College-Absolventen Benjamin Braddock, der nicht nur über ein ausgezeichnetes Zeugnis verfügt, sondern auch über zu viel Freizeit.

Der junge Mann weiß noch nicht so recht, was er mit seinem künftigen Leben anfangen soll und so hängt er zunächst bei seinen Eltern in deren mondänem Haus im Süden Kaliforniens ab. Die sind mächtig stolz auf das Zeugnis ihres Sprösslings und organisieren eine steife Feierlichkeit, auf der sich Benjamin sichtlich unwohl fühlt. Doch die Party ist nicht nur langweilig, denn bald lernt der 21 Jahre alte Mann die ältere und verheiratete Mrs. Robinson kennen, die ihm ein unmoralisches Angebot unterbreitet.

Benjamin sträubt sich zunächst gegen die Avancen von Mrs. Robinson, doch so ganz kann er die Dame nicht vergessen und so besucht er sie einige Tage später dann doch. Er durchlebt seine ersten sexuellen Erfahrungen und das ungleiche Paar beginnt eine Affäre. Es geht jedoch ausschließlich um Sex, denn rein zwischenmenschlich sind sich die beiden sehr unterschiedlichen Menschen eher wenig sympathisch.

Mrs. Robinson warnt Benjamin bei einem ihrer heimlichen Treffen ausdrücklich davor, sich mit ihrer Tochter Elaine einzulassen und verbietet ihrem Liebhaber jeglichen Kontakt mit ihrem Nachwuchs. Das weckt natürlich dessen Neugier und der übermütig werdende Benjamin wagt eine weitere Affäre. Benjamin verliebt sich in Elaine und das Unglück nimmt seinen unausweichlichen Lauf.

 

Reihe Filmklassiker  -  Bonnie und Clyde

Sa., 15.02.2020, 19.30 Uhr

Roadmovie, Kriminalfilm, Biopic
USA 1967, 111 Min, FSK ab 16
 
Regie: Arthur Penn
Mit: Warren Beatty, Faye Dunaway, Gene Hackman
 

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bonnie und clyde
©Warner Bros.

Im provinziellen Amerika der zwanziger Jahre sorgte ein junges Gangsterpaar für Aufsehen: Clyde Barrow und Bonnie Parker reisten zuerst allein, später mit kleinem Anhang durch das krisengeschüttelte Land. Monatelang narrten sie die Polizei von ganz Texas und Louisiana. Sie plünderten Läden , raubten Banken aus und schossen auf alles, was sich ihnen in den Weg stellte. Dabei gerierten sie sich als moderne Robin Hoods. Das brachte ihnen bei der armen weißen Unterschicht eine Menge Sympathien, rief aber auch Polizei in Bataillonsstärke auf den Plan. Verrat aus den eigenen Reihen setzte dem Siegeszug der Underdogs schließlich ein blutiges Ende.

1967 produzierte Warren Beatty, der auch die Rolle des Clyde übernahm, den Film. Bonnie wird von Faye Dunaway dargestellt.

Ein Killer-Kultfilm von Hollywood-Regiemeister Arthur Penn - modernes amerikanisches Gangsterkino mit seinen ambivalenten Figuren und ästhetisch überhöhten Gewaltexzessen. Der Film stellt die Figuren in einem romantischen Licht dar. Er erhielt einerseits viele positive Kritiken und trug beträchtlich zum glamourösen Image des kriminellen Pärchens bei, andererseits löste er auch eine Kontroverse wegen möglicher Gewaltverherrlichung aus.

Estelle Parsons, in der Rolle der Blanche, wurde mit einem Oscar für die beste Nebendarstellerin ausgezeichnet. Einen weiteren Oscar erhielt Burnett Guffey für seine Kameraführung.  

Reihe Filmklassiker  - Schwarzer Kies

 
Sa., 28.03.2020, 19.00 Uhr
Restaurierte Urfassung, Eintritt 8,- €
 
Drama, Post noir
D 1961, 113 Min., FSK ab 16, Schwarz-Weiß

 

Regie: Helmut Käutner
Mit: Ernst Jacobi, Peter Thomas, Anita Höfer,
Helmut Wildt, Ingmar Zeisberg,Hans Cossy,
Wolfgang Büttner
 
 
Anschließend Filmgespräch mit Anja S., Autorin von:
"Jed Schouer war en Puff: Die Verrufene Zeit in Lautzenhausen"
Das Buch kann erworben werden.

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©UFA Film Hansa

 
Anja S., stammt aus dem Hunsrück und ist in der Region aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte sie Germanistik und Kulturwissenschaft. Ihre Magisterarbeit schrieb sie über die vier außergewöhnlichen Jahrzehnte in Lautzenhausen. Aus dieser Arbeit ist das vorliegende Buch entstanden.
 
In der bäuerlichen Idylle des kleinen Hunsrückdorfes glitzerten einst die Neonschilder der Bars und Nachtlokale. Rund 40 Jahre dauerte die verrufene Zeit. Es ist ein sagenumwobenes Stück Heimat, über das nicht laut gesprochen wird. Selbst heute noch finden sich in "Lautze" Spuren dieser Vergangenheit. Anja S. beschreibt die Bars und das Dorf, die Bauern und die Zuhälter, die Animierfrauen und die Striptease-Tänzerinnen. Sehr anschaulich, oft humorvoll, gut recherchiert und ein bisschen frivol sind die Geschichten, die von der Autorin zusammengetragen wurden.

 

Deutsche und Amerikaner als Notgemeinschaft - Worum geht es in "Schwarzer Kies"?

Schwarzer Kies lc web3Helmut Käutners Film von 1961 gilt heute als einer der interessantesten deutschen Nachkriegsfilme überhaupt.

Käutner zeigt uns ein Dorf im Hunsrück, in dem amerikanische Truppen eine Luftwaffenbasis betreiben. (Gedreht auf der Hahn-Airbase und in Lautzenhausen) Die deutsche Bevölkerung arrangiert sich so gut es geht mit den US-Soldaten - 6000 Amerikanern stehen ein paar Hundert Deutschen gegenüber. Die Basis soll ausgebaut werden, deshalb werden große Mengen an Baumaterial benötigt. Robert Neidhardt ist LKW-Fahrer, der für deutsche Bauunternehmen Kies für die US-Basis transportiert, ein rauer Kerl mit Charme, der es mit den Abrechnungen nicht ganz so genau nimmt und auch mal in die eigene Tasche wirtschaftet. Es ist die große Zeit des Schwarzhandels.

Eines Tages taucht seine alte Liebe Inge wieder auf, die inzwischen mit dem Chef der US-Basis verheiratet ist. Bei einer gemeinsamen Fahrt mit Roberts LKW verunglückt ein junges Paar tödlich. Robert geht nicht zur Polizei, verscharrt die Leichen unter schwarzem Kies. Das Unglück und die Vertuschung lösen eine Kette von tragischen Ereignissen aus.

Neben dieser melodramatisch grundierten Haupthandlung richtet Käutner seine Kameras vor allem auf das Leben in dem fiktiven Örtchen Sohnen, das von der Ferne ein wenig an die Jahrzehnte später von Edgar Reitz inszenierte Hunsrück-Saga "Heimat" erinnert.

Schwarzer Kies lc web2"Schwarzer Kies"   -   Zwei Fassungen

Korruption und Prostitution bestimmen den Alltag in Sohnen. Straßenstrich und Amüsierbetriebe, Wirtschaftskriminalität und herzliche Abneigung zwischen Deutschen und Amerikanern prägen das Zusammenleben der Menschen. Junge und alte Generationen treffen aufeinander. Abends trifft man sich im Club "Atlantic", Deutsche und Amerikaner, Frauen und Männer, Prostituierte und Freier, alle auf der Suche nach ein wenig Zerstreuung. Der Club wird von einem älteren Deutschen betrieben. In einer Szene des Films wird er von einem Alt-Nazi als "Saujud" beschimpft. Daraufhin sieht man kurz die am Unterarm eingravierte Zahlenkolonne des Barbesitzers, die diesen als ehemaligen KZ-Insassen ausweist. Aus heutiger Sicht eine Szene, die nur als Kritik an den latent existierenden antisemitischen Strömungen in der Nachkriegs-BRD zu interpretieren ist.

Diese nur kurze, nicht zentrale Szene führte 1961 zu einer Strafanzeige wegen vermeintlichen Antisemitismus. Die Staatsanwaltschaft verzichtete aber darauf, gegen die Freigabe des Films vorzugehen. Trotzdem entschied sich die produzierende UFA damals, die Szene aus dem Film zu entfernen. Auch das düstere Ende wurde umgeschnitten und durch eine nicht ganz so pessimistische Schlusssequenz ersetzt. Ein Happy End gab es allerdings auch in dieser "entschärften" Version nicht.

In der Folge lief "Schwarzer Kies" vor allem in der geschnittenen Fassung, erst 2009 wurde die Ur-Version wieder aufgeführt. Nach der Digitalisierung ist der Film wieder in seiner ursprünglichen Form zu sehen: "Ein herausragendes Beispiel für den unverstellten Blick auf die Abgründe der westdeutschen Nachkriegsrealität", so Rainer Rother, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek, "eine Rarität, die nun wieder entdeckt werden kann."

Ein deutscher Nachkriegsfilm, der den Begriff "Heimatfilm" in ein ganz neues Licht rückt.

Leseempfehlung  :

https://www.critic.de/film/schwarzer-kies-10719/

Szenenbilder : ©concorde