Helen Mirren und Ryan Reynolds in einem Film über den zähen achtjährigen Rechtsstreit um die Rückgabe von NS-Raubkunst
Der Film spielt in der Gegenwart, handelt aber von den Wunden der Nazidiktatur: „Die Frau in Gold“ erzählt die wahre Geschichte der in Wien aufgewachsenen Jüdin Maria Altmann (Helen Mirren), die den Besitz von fünf Jugendstilgemälden von Gustav Klimt einfordert, die einst ihren Eltern gehörten und von den braunen Horden beschlagnahmt wurden. Maria gelang die Flucht in die USA, der Rest ihrer Familie starb im KZ. Mit dem jungen Anwalt Randy Schoenberg (Ryan Reynolds) strengt sie einen Prozess zur Rückgabe der Bilder an. Ihre Chancen stehen schlecht: Fürs Wiener Establishment gilt Klimts „Frau in Gold“, das Maria Altmanns Tante zeigt, als „Mona Lisa Österreichs“. So etwas gibt man nicht einfach her, erst recht, wenn das Thema der NS-Raubkunst auf dunkle Flecken der eigenen Vergangenheit verweist. Doch Maria und Randy geben nicht auf. Mit der Hilfe eines linken österreichischen Journalisten (Daniel Brühl) setzen sie 2006 bei einem Schiedsgericht alles auf eine Karte. Regisseur Simon Curtis, der zuvor schon mit „My Week with Marilyn“ einen historischen Stoff bearbeitet hat, gelingt mit „Die Frau in Gold“ ein bewegendes Drama, das um jüdische Identität und den Horror des Holocaust kreist. In geschickt in den Handlungsverlauf eingebetteten Rückblenden wird vom sorglosen Leben der Altmanns vor der Okkupation erzählt, aber auch von der leichtfertigen Annahme, der braune Spuk werde schon bald vorübergehen. Der Naziterror und die Hitler-Begeisterung der Österreicher wird eindringlich dargestellt — man begreift, warum die alte Dame nie wieder einen Fuß auf den Boden dieses Landes setzen wollte. Helen Mirren ist grandios in der Darstellung der Maria Altmann und dominiert jede Szene. Ein mitreißender Film gegen das Vergessen und die Verdrängung der Schuld.

Fazit

Raubkunstdrama über die mutige Auseinandersetzung eines Individuums mit staatlicher Bürokratie
Text: cinema.de